How to Grassroot Movement: 
Handreichung zum Aufbau einer zivilgesellschaftlichen Bewegung"
 

Erfahrungsbericht von Paul Ziegler

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Veröffentlicht: 01.01.2026
Lesezeit: 5 Minuten

Themen: Aktivismus, Recht, Jura, Liquid Democracy, Engagement, Bewegung, Netzwerken, Austausch

„The people that are crazy enough to think that they can change the world are the ones who do!“

Dieses Zitat aus Steve Jobs legendären Apple-Werbespot „Think different“ ist heute noch so wahr wie damals. Viele werden von der Veranstaltung des "Gaza-Tribunal Berlin 2025" mitbekommen haben, auf dem international renommierte ExpertInnen aus Völkerrecht, Medien und Gesundheitswesen zu den Völkerrechtsverletzungen Deutschlands im Kontext des Genozids in Palästina sprachen. Wie kommt man ohne direkte Kontakte oder bestehendes Netzwerk zur Ausrichtung einer Konferenz mit deutschland- und weltweit führenden ExpertInnen verschiedener Disziplinen? In diesem Beitrag möchte ich den Weg der Entstehung der Initiative „Deutsche JuristInnen für das Völkerrecht“ von ihrer Gründung im Juni bis zur Ausrichtung der Konferenz Ende Oktober 2025 nachzeichnen und konkrete Handlungsempfehlungen für andere sozialen Bewegungen geben.

1. Schritt - Sprich dein Anliegen aus.

Der erste Schritt ist es, dein Anliegen öffentlich zu artikulieren. Die Zeiten, in denen man noch „unpolitisch“ sein konnte, sind vorbei. Für mich begann die humanitäre Situation in Gaza nach dem Bruch der Waffenruhe durch Israel im März 2025 unerträglich zu werden. Reichlich spät, das gestehe ich zu. Aber besser spät als nie. Es begann mit Stories auf Instagram, dem Teilen von Zeitungsartikeln (Guardian) und einem Post auf LinkedIn an meine Kontakte. Von meinen damals 300 Kontakten, welche ich auf verschiedenen beruflichen Stationen gesammelt hatte, erzielte der Post zur humanitären Situation in Gaza keine 5 Reaktion. Es folgten Posts von mir auf Demonstrationen. Weiteres Teilen von Artikeln auf Social Media. Viele Reaktionen kamen nicht. Aber es zeigte sich, auf wen man sich in seinem Bekanntenkreis verlassen konnte, und auf wen nicht.

2. Tritt in die Öffentlichkeit

Als die Resonanz im Bekanntenkreis nicht wie gewünscht ausfiel, wurde es Zeit, den Kreis zu erweitern. Ich stellte meine LinkedIn-Posts auf „öffentlich“ und erstellte ein neues öffentliches Instagram Profil. Das Internet bietet die hervorragende (und manchmal auch gefährliche) Eigenschaft, dass es Menschen mit den noch so nischigen Interessen zusammenbringt. Man fühlt sich in dieser neu gefundenen Gruppe dann auf einmal wieder aufgehoben und nicht mehr so, als hätte die gesamte Welt um einen herum kollektiv den Verstand verloren. Trete mit diesen Gleichgesinnten in den Austausch und diskutiert gemeinsam Strategien, wie ihr euer Anliegen reichweitenstark verbreiten könnt.

3. Frage sympathisierende ExpertInnen und „InfluencerInnen“ zu deinem Anliegen an

Einer der Angehörigen dieser Gruppe wies mich auf einen offenen Brief englischer JuristInnen an die britische Regierung hin und fragte, warum es so etwas nicht in Deutschland gibt. Bedarf erkannt, es fehlt nur noch das Angebot. Ein Foto des Handshakes vom Besuch des Innenminister Dobrindt mit dem israelischen Premierminister Netanyahu, ein Aufruf zur Erstellung eines offenen Briefs, und schon waren 20.000 Ansichten des Beitrags auf LinkedIn erreicht, welcher sich durch Kommentare, Tags und Reposts massenhaft verbreitete. Für weitere Unterstützung suchte ich bestehende vergleichbare offene Briefe und deren UnterzeichnerInnen auf und kontaktierte diese zu einer Beteiligung an dem Projekt. Auch wenn zahlreiche Anfragen ignoriert werden, blieben mit jeder E-Mail Welle einige weitere Interessierte hängen. Eine persönliche Anrede hilft ebenso wie die Bezugnahme zu konkreten vergangenen Äußerungen der Personen und der Bezug zum eigenen Thema. Generell empfehle ich hierzu die Ratschläge von Shane Parrish aus seinem Buch „Clear Thinking“ zur Kontaktaufnahme zu ExpertInnen: 
In his book "Clear Thinking", Shane Parrish emphasizes the importance of reaching out to experts to enhance decision-making and clear thinking. Here’s a summary of his recommendations on how to effectively contact an expert:


Key Recommendations for Contacting Experts
   1. Be Specific About Your Needs
Clearly articulate what expertise you are seeking. This helps the expert understand how they can assist you and makes your inquiry more appealing.
   2. Demonstrate Value
Show the expert why connecting with you would be beneficial for them. Whether through potential collaboration or providing insights into your experiences, offering value can increase the likelihood of a positive response.
   3. Keep It Concise
Respect the expert’s time by being brief and to the point. A well-crafted, succinct message is more likely to get a response.
   4. Follow Up Thoughtfully
If you don’t hear back, a polite follow-up can keep the conversation open without being intrusive.
   5. Consider Timing
Timing can be crucial; reaching out when an expert is likely to be less busy can result in a better response rate. For example, avoid contacting them during peak industry events or when they might be busy.


4. Think Big

„If you have to think at all – think big.“ Das ist so ziemlich das einzige Zitat, das mir aus Donald Trumps Buch „The Art of the Deal“ im Kopf geblieben ist. Wenn du einen Brief mit 50 Leuten planen kannst, wieso dann nicht gleich einen mit mit 500. Wenn du ein Interview mit einem Experten zu einem bestimmten Thema organisieren kannst, wieso dann nicht gleich eine ganze Konferenz?

Wir sind in der Entwicklung des Projekts oft an einen Punkt gekommen, an dem wir uns gefragt haben: „Wieso haben wir das nicht gleich so gemacht?“ Es werden immer Zweifel aufkommen, die dir raten, auf Nummer sicher zu gehen und kleinere Brötchen zu backen. An dieser Stelle hilft es sich zu fragen: „Wenn ich schon wüsste, dass die Sache erfolgreich wird, wie würde ich handeln?“ Oft lohnt es sich, ein gewisses Risiko einzugehen, und sich nicht zu viele Gedanken über mögliche Gründe für ein Scheitern zu machen

5. Build a Team

Um eine soziale Bewegung zu schaffen und Menschen zu mobilisieren brauchst du zwangsläufig die Unterstützung von MitstreiterInnen. Hier ist es besonders hilfreich, wenn ihr verschiedene Fähigkeiten in Veranstaltungsorganisation, Kommunikation, rechtlicher Analyse und Social Media Design mitbringt und euch so gegenseitig ergänzt. Ein kleines Team aus einer Handvoll motivierter Menschen in intensivem Austausch kann dabei ein großes Projekte stemmen. Erweitert dieses allerdings nach Möglichkeit, um die Aufgaben breit zu streuen und so jedem Teammitglied größtmöglichen Handlungsspielraum zu eröffnen.


6. Beachte das Handwerkszeug

Für die Erstellung Deiner Plattform musst du ebenfalls einige praktische Fragen klären. Hier sind einige der Tools, die ich nach einiger Recherche für den Aufbau genutzt habe:

Website: Eine Website ist die zentrale Anlaufstelle für eure Initiative und eure eigene Plattform, die ausschließlich ihr selbst kontrolliert. Besondere Empfehlung hierfür ist nach unserer Erfahrung Ionos – Hosting und Website per Webbaukasten: Hatte ich für die Einrichtung meiner persönlichen Website vor 3 Jahren noch 3 Monate gebraucht, lief die Erstellung der Ionos Website von DjfdV innerhalb von 3 Stunden ab. Per KI ist es dir möglich, diese nach deinen Wünschen flexibel zu gestalten, ohne dass du hierfür Programmieren können musst oder mühsame WordPress-Plugins installieren müsstest. Das Preismodell ist besonders im ersten Jahr sehr günstig und beinhaltet eine E-Mail Adresse, die allerdings ausbaufähig ist (Antworten enthalten nicht den Text der vorhergegangenen E-Mail :/)

Videobearbeitung: Open-Shot Video Editor - Kostenloser Open-Source Editor für Videos. Keine KI Funktionen, ab und zu absturzanfällig, aber grundsolide und lokal auf deinem Computer gehostet.

Bildbearbeitung: Canva – Für Grafiken für Instagram und LinkedIn und die Erstellung von Werbebannern und Veranstaltungspostern sehr gut geeignet und kostenlos.

Quellen für lizenzfreie Musik:  https://pixabay.com/de/music/


Quelle für lizenzfreie Fotos: https://unsplash.com


Crowdfunding: Whydonate: Spendenkampagne in einer Stunde aufsetzen. Spendenziel flexibel anpassbar, zahlreiche Spendenmethoden verfügbar. Abgabe von ca. 2 % der Spenden. Überweisung zuverlässig auf das Bankkonto innerhalb von 2 Tagen nach Transfer.

7. Just do it

Am Ende begleiten euch im Laufe des Projektes kontinuierliche Zweifel, ob alles nach euren Plänen verlaufen wird. Es gibt keine Garantie dafür, dass euch nicht ReferentInnen kurzfristig krankheitsbedingt absagen, der Veranstaltungsort gewechselt werden muss, TeilnehmerInnen trotz Zusagen nicht erscheinen, die Technik zur Liveübertragung während der Veranstaltung versagt oder euch das Catering im Stich lässt. Am Ende hilft hierfür nur ein Vertrauen, dass alles gutgehen wird, und die Gewissheit, dass selbst bei Eintritt dieser Umstände dies kein Beinbruch darstellt, sondern ihr weiterhin flexibel reagieren könnt. Plant für diese Eventualitäten bestenfalls Alternativen ein, auf welche ihr zurückfallen könnt.


Für unser Gaza Tribunal haben trotz einiger Widrigkeiten und spontaner Anpassungen am Ende alle Zahnrädchen ineinander gegriffen und die Veranstaltung ist nahezu perfekt abgelaufen. Am Ende müsst ihr eure Vision einfach in die Tat umsetzen, dann wird es auch damit klappen. Just do it!

Mit dem Gaza Tribunal haben wir ein enormes Bedürfnis in der Zivilgesellschaft nach fachlich fundierten juristischen Einordnungen der deutschen Mitverantwortung für Völkerrechtsverbrechen in Gaza getroffen. Zwei Monate nach Abschluss der Konferenz hatten Videoausschnitte der Konferenz auf Instagram über 1,5 Mio Aufrufe und sich ein wachsendes Netzwerk an UnterstützerInnen und KooperationspartnerInnen etabliert. Wir hoffen, dass dir dieser positive Erfahrungsbericht Mut und Motivation gibt, dein eigenes Projekt umzusetzen!


Ihr plant ebenfalls eure eigene Konferenz und wollt von unserem Netzwerk und unseren Erfahrungen profitieren. Gerne helfen wir euch auf Anfrage bei der Umsetzung eurer Idee weiter. Kontaktiert uns unter der E-Mail Adresse info@deutsche-juristinnen-völkerrecht.de für eine persönliche Beratung.

Wir geben gerne unsere Erfahrungen für solidarische Projekte weiter. Allerdings ist unsere Zeit begrenzt und extrem wertvoll, weshalb wir nur bereits Projekte mit fortgeschrittener Struktur unterstützen können. Berücksichtigt bitte die oben genannten Ratschläge „How to contact an expert“ und macht euch im Voraus Gedanken, wie wir euch konkret weiterhelfen können. Die Zusage einer Spende an ein Hilfswerk erhöht ebenfalls unsere Motivation, uns mit euren Problemen auseinanderzusetzen. Viel Erfolg in der Organisation!

 

Offenen Brief hier unterschreiben 

Der offene Brief wird laufend durch neue Mitzeichnungen ergänzt. Wir bieten keine individuelle Rechtsberatung an, sondern bündeln die Stimmen engagierter JuristInnen, um öffentlich für Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und die konsequente Achtung des Völkerrechts einzutreten.
 

Ich bin damit einverstanden, dass diese Daten zum Zwecke der Kontaktaufnahme und einer Verifikation gespeichert und verarbeitet werden. Ich bin mit der Veröffentlichung meines Namens und der von mir gewählten Funktion der Unterschrift unter dem offenen Brief einverstanden. Mir ist bekannt, dass ich meine Einwilligung jederzeit widerrufen kann. *

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